Konto überzogen ohne Dispo: Wann Sie Überziehungszinsen zurückfordern können
Direkte Antwort: Duldet die Bank ein Minus ohne Dispo oder über den Dispo-Rahmen hinaus, muss sie Zinssatz und Kosten im Vertrag nennen, regelmäßig mitteilen und Sie bei einer erheblichen Überziehung von mehr als einem Monat gesondert informieren. Verletzt sie diese Pflichten, darf sie über die Rückzahlung des Minus hinaus keine Zinsen und Kosten verlangen (§ 505 Abs. 3 BGB). Ab dem 20.11.2026 greift die Beratungspflicht schon bei regelmäßiger Überziehung; für Entgeltvereinbarungen nach neuem Recht außerdem eine Kreditwürdigkeitsprüfung und die 12-Monatsraten-Regel.
Direkt zur Prüf-Checkliste oder zum Muster-Schreiben. Diese Seite behandelt deutsches Recht und ist keine Rechtsberatung.
Auf einen Blick
Duldet die Bank ein Minus ohne Dispo, muss sie Zinssatz und Kosten im Vertrag nennen, regelmäßig mitteilen und bei mehr als einem Monat erheblicher Überziehung gesondert informieren. Fehlt eine dieser Informationen, darf sie keine Überziehungszinsen und Kosten verlangen – Sie zahlen nur das Minus zurück (§ 505 Abs. 3 BGB).
- Rückforderung
- keine Zinsen und Kosten bei Informationsfehlern
- § 505 Abs. 3 BGB
- Gesonderte Information
- nach mehr als 1 Monat erheblicher Überziehung
- § 505 Abs. 2 BGB
- Neu ab 20.11.2026
- Beratung schon bei regelmäßiger Überziehung; Kreditprüfung bei neuen Entgeltvereinbarungen
- § 505 Abs. 2 und 4 BGB n.F.
- Gesetzlicher Höchstzins
- keiner
- Zinssatz muss im Vertrag stehen
Stand: 19. September 2026 · keine Rechtsberatung
Prüf-Checkliste: Hat die Bank ihre Pflichten erfüllt?
Beantworten Sie die Fragen anhand von Kontovertrag und Kontoauszügen.
Wann wurde das Konto überzogen?
Steht im Kontovertrag ein Entgelt für die Duldung einer Überziehung?
Nur dann greift § 505 BGB. Gemeint ist ein Konto ohne Dispo oder die Überschreitung eines Dispo-Rahmens.
Enthält der Vertrag die Pflichtangaben auf Papier oder einem dauerhaften Datenträger?
Unter anderem Sollzinssatz, Bedingungen für dessen Anwendung und etwaige Kosten (Art. 247 § 17 Abs. 1 EGBGB).
Hat die Bank diese Angaben regelmäßig mitgeteilt, z. B. mit dem Kontoauszug?
Ab dem 20.11.2026 auf Papier oder dem im Kontovertrag benannten dauerhaften Datenträger nach Ihrer Wahl.
Kam nach mehr als einem Monat erheblicher Überziehung eine gesonderte Information?
Die Bank muss dann unverzüglich über die Einzelheiten nach Art. 247 § 17 Abs. 2 EGBGB informieren (§ 505 Abs. 2 BGB).
Wurde Ihnen eine Beratung angeboten, als das Konto länger überzogen war?
Bis 19.11.2026: Pflicht nach mehr als drei Monaten ununterbrochener Überziehung mit einem Minus über der Hälfte des monatlichen Geldeingangs (§ 505 Abs. 2 Satz 2 i. V. m. § 504a BGB).
Ergebnis (0 von 5 beantwortet)
Beantworten Sie alle Fragen – erst dann lässt sich einschätzen, ob die Bank ihre Pflichten erfüllt hat.
Die Beratungspflicht gehört in beiden Zeiträumen zu § 505 Abs. 2 BGB, deren Verletzung § 505 Abs. 3 BGB sanktioniert. Bis 19.11.2026 greift sie erst nach mehr als drei Monaten mit einem Minus über der Hälfte des Geldeingangs, ab 20.11.2026 schon bei regelmäßiger Überziehung.
Girokonto und Überziehung
Überziehungszinsen und Kontovertrag prüfen.
Kostenlos starten · DSGVO-konform · Keine Kreditkarte
Was sich ab dem 20.11.2026 ändert
Form der Information
Pflichtangaben im Vertrag und regelmäßige Mitteilungen auf Papier oder dem im Kontovertrag benannten dauerhaften Datenträger – nach Ihrer Wahl (§ 505 Abs. 1 BGB n.F.).
Beratungsangebot
Bei regelmäßiger Überziehung gilt die Beratungspflicht des § 504a BGB entsprechend. Bisher griff sie erst nach mehr als drei Monaten und bei einem Minus über der Hälfte des Geldeingangs.
Kreditwürdigkeitsprüfung
Vor der Vereinbarung eines neuen Überziehungsentgelts muss die Bank Ihre Kreditwürdigkeit prüfen (§ 505 Abs. 4 BGB n.F.); bereits vereinbarte Entgelte erfasst das nicht rückwirkend.
Kündigung und Raten
§ 504 Abs. 2 BGB gilt entsprechend: Information 30 Tage vor Wirksamwerden, vor der Vollstreckung Angebot über zwölf gleiche Monatsraten (§ 505 Abs. 5 BGB n.F.); bei älteren Entgeltvereinbarungen im Einzelfall zu prüfen.
Grundlage ist das Gesetz zur Umsetzung der Verbraucherkreditrichtlinie, BGBl. 2026 I Nr. 139 (Art. 1 Nr. 24). Für bestehende unbefristete Kontoverträge gelten nach Art. 229 § 71 Abs. 2 EGBGB n.F. ab dem 20.11.2026 die neuen Absätze 1 und 2 des § 505 BGB. Mehr zur Ratenregel nach einer Kündigung: Dispo gekündigt – 12 Monatsraten.
Muster: Nachweis der Informationen und Erstattung verlangen
Das Schreiben fordert die Bank auf, die Erfüllung ihrer Informationspflichten nachzuweisen, und verlangt für den Fall einer Pflichtverletzung die Erstattung. Ergänzen Sie Konto, Zeitraum und Betrag.
Häufige Fragen zur geduldeten Überziehung
Was ist eine geduldete Überziehung?
Eine geduldete Überziehung liegt vor, wenn die Bank ein Minus auf einem Konto ohne eingeräumten Dispo zulässt oder eine Überziehung über den Dispo-Rahmen hinaus duldet und dafür ein Entgelt vereinbart ist – meist höhere Zinsen als beim Dispo (§ 505 BGB).
Was passiert, wenn mein Konto ohne Dispo im Minus ist?
Lässt die Bank die Buchung trotzdem zu, ist das eine geduldete Überziehung: Für das Minus fallen die im Kontovertrag vereinbarten Überziehungszinsen an, die meist höher sind als beim Dispo. Einen Anspruch auf die Duldung haben Sie nicht, und das Minus ist auszugleichen. Hat die Bank ihre Informationspflichten verletzt, darf sie keine Zinsen und Kosten verlangen (§ 505 Abs. 3 BGB).
Kann ich Überziehungszinsen zurückfordern?
Ja, wenn die Bank ihre Informationspflichten aus § 505 Abs. 1 oder 2 BGB verletzt hat: fehlende Pflichtangaben im Vertrag, keine regelmäßige Mitteilung oder keine Information bei einer erheblichen Überziehung von mehr als einem Monat. Dann kann sie über die Rückzahlung des überzogenen Betrags hinaus keine Kosten und Zinsen verlangen (§ 505 Abs. 3 BGB). Diese Rechtsfolge gilt schon heute.
Was ändert sich ab dem 20.11.2026 bei der geduldeten Überziehung?
Die Informationen müssen auf Papier oder dem im Kontovertrag benannten dauerhaften Datenträger nach Ihrer Wahl erfolgen. Eine Beratung nach § 504a BGB muss die Bank schon bei regelmäßiger Überziehung anbieten – bisher erst nach mehr als drei Monaten mit einem Minus über der Hälfte des Geldeingangs. Vor Vereinbarung eines Überziehungsentgelts ist eine Kreditwürdigkeitsprüfung durchzuführen. Und § 504 Abs. 2 BGB gilt entsprechend: nach einer Kündigung Information 30 Tage vorher und vor der Vollstreckung ein Angebot über zwölf Monatsraten (§ 505 Abs. 2, 4, 5 BGB n.F.). Für Entgeltvereinbarungen, die schon vor dem 20.11.2026 bestanden, nennt die Übergangsregel nur die Absätze 1 und 2; Kreditprüfung und Ratenregel sind dort im Einzelfall zu prüfen.
Gelten die neuen Regeln auch für mein altes Girokonto?
Teilweise. Nach Art. 229 § 71 Abs. 2 EGBGB n.F. sind auf bestehende unbefristete Verträge ab dem 20.11.2026 § 505 Abs. 1 und 2 BGB in der neuen Fassung anzuwenden – also die neuen Informationspflichten und das Beratungsangebot. Die übrigen Absätze nennt die Übergangsregel nicht; ob etwa die Ratenregel des Absatzes 5 bei älteren Entgeltvereinbarungen greift, sollte im Einzelfall geprüft werden.
Wie hoch dürfen Zinsen für eine geduldete Überziehung sein?
§ 505 BGB legt keinen gesetzlichen Höchstzins fest. Die Bank muss den Sollzinssatz aber im Vertrag angeben und regelmäßig mitteilen. Fehlen diese Informationen, entfällt der Anspruch auf Zinsen und Kosten über die Rückzahlung hinaus.
Was kostet 1.000 Euro Überziehung im Monat?
Das hängt vom vereinbarten Sollzins ab. Rechenweg: Betrag mal Jahreszins geteilt durch zwölf. Rechenbeispiel: 1.000 Euro bei 12 Prozent kosten rund 10 Euro im Monat, bei 15 Prozent rund 12,50 Euro. Den genauen Zinssatz muss die Bank im Kontovertrag nennen und regelmäßig mitteilen.
Was passiert, wenn ich das Minus nicht ausgleichen kann?
Suchen Sie früh das Gespräch mit der Bank und einer Schuldnerberatung. Bei längerer Überziehung muss die Bank eine Beratung zu günstigeren Alternativen anbieten; ab dem 20.11.2026 schon bei regelmäßiger Überziehung. Droht eine Pfändung, schützt das P-Konto den Grundfreibetrag.
Fazit
Überziehungszinsen sind nur geschuldet, wenn die Bank korrekt informiert hat. Prüfen Sie Vertrag und Auszüge mit der Checkliste und fordern Sie bei Lücken den Nachweis an. Ab dem 20.11.2026 wird der Schutz bei geduldeter Überziehung deutlich ausgebaut.
Kontovertrag prüfen lassen
Laden Sie Kontovertrag und Kontoauszüge hoch. SpecterAI prüft Pflichtangaben und Mitteilungen – als rechtliche Orientierung, nicht als Ersatz für eine anwaltliche Einzelfallprüfung.
Kontovertrag prüfen lassenHinweis: SpecterAI liefert rechtliche Orientierung und keine Rechtsberatung.
Amtliche Quellen
- BGBl. 2026 I Nr. 139 – Umsetzung der Richtlinie (EU) 2023/2225 (Art. 1 Nr. 24, Art. 2, Art. 16)
- § 505 BGB – Geduldete Überziehung (konsolidierte Fassung; Neufassung ab 20.11.2026: siehe BGBl. 2026 I Nr. 139)
- § 504a BGB – Beratungspflicht bei dauerhafter Inanspruchnahme
- Art. 247 § 17 EGBGB – Informationen bei geduldeter Überziehung

