Kamera, Beweismittelbeutel, Aktenmappe und Uhr auf einem neutralen Dokumentationstisch

Anzeige wegen Körperverletzung: Frist, Beweise & Antrag

Körperverletzung anzeigen: Strafanzeige und Strafantrag unterscheiden, 3-Monats-Frist berechnen, Beweise sichern und Schmerzensgeld prüfen.

DSGVO-konform & sicher
In Deutschland gehostet
Antwort in Sekunden
Kostenlos · unverbindlich · keine Kreditkarte
  1. 1Fall schildern
  2. 2Prüfung mit § & Urteil
  3. 3Nächste Schritte & Muster
Von SpecterAI Redaktion

Anzeige wegen Körperverletzung: Frist, Beweise und Strafantrag

Direkte Antwort: Eine Strafanzeige können Sie ohne feste Drei-Monats-Frist erstatten. Bei einfacher oder fahrlässiger Körperverletzung sollten Verletzte zusätzlich ausdrücklich Strafantrag stellen: Dafür laufen grundsätzlich drei Monate ab dem Ende des Tages, an dem Tat und Täter bekannt sind ( § 77b StGB).

Sichern Sie Verletzungen, Zeugen und Nachrichten sofort. Dieser Leitfaden trennt Anzeige und Antrag, berechnet die Antragsfrist und erklärt Schmerzensgeld, Nebenklage sowie die Perspektive von Beschuldigten.

Strafanzeige oder Strafantrag: Was müssen Sie erklären?

ErklärungWirkungFrist
StrafanzeigeInformiert Polizei oder Staatsanwaltschaft über den möglichen Sachverhalt.Keine eigene Drei-Monats-Frist; die strafrechtliche Verjährung bleibt getrennt zu prüfen.
StrafantragErklärt ausdrücklich, dass die Tat strafrechtlich verfolgt werden soll.Bei Antragsdelikten grundsätzlich drei Monate ab Kenntnis von Tat und Täter.

Bei gefährlicher oder schwerer Körperverletzung ermitteln die Behörden von Amts wegen. Wenn die rechtliche Einordnung noch unklar ist, können Sie Anzeige und Strafantrag zusammen erklären.

3-Monats-Frist für den Strafantrag berechnen

Maßgeblich ist nicht zwingend der Tattag, sondern der Tag, an dem die antragsberechtigte Person sowohl von der Tat als auch von der Person des Täters Kenntnis erlangt. Fällt das Fristende auf Samstag, Sonntag oder einen allgemeinen Feiertag, endet die Frist nach § 77b StGB erst mit Ablauf des nächsten Werktags.

Wann liegt eine Körperverletzung vor?

Nach § 223 StGB macht sich strafbar, wer eine andere Person körperlich misshandelt oder an der Gesundheit schädigt. Schon ein kurzer Schlag oder das Verabreichen eines unerwünschten Medikaments kann genügen. Die gefährliche Körperverletzung (§ 224 StGB) sowie die Tatbestände mit schweren Dauerfolgen (§ 226 StGB) oder Todesfolge (§ 227 StGB) haben deutlich höhere Strafrahmen.

Neben dem Strafverfahren kommen zivilrechtliche Ansprüche auf Schadensersatz nach § 823 BGB und Schmerzensgeld nach § 253 Abs. 2 BGB in Betracht. Diese müssen aktiv geltend gemacht werden, können aber nach § 403 StPO im Strafprozess als Adhäsionsverfahren eingebracht werden.

Beweise sichern: Was Betroffene tun sollten

Suchen Sie unmittelbar ärztliche Hilfe und lassen Sie Verletzungen dokumentieren (Befund, Fotos, Diagnose). Bewahren Sie Kleidung, Chatverläufe und Zeugenkontakte auf. Eine schnelle Strafanzeige hilft, Zeugen zu erreichen und Tatspuren zu sichern.

Wer infolge einer Gewalttat gesundheitlich geschädigt wurde, kann bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen Leistungen der Sozialen Entschädigung nach dem SGB XIV erhalten. Dieses Recht gilt seit dem 1. Januar 2024 anstelle des früheren Opferentschädigungsgesetzes. In akuten Gefahrensituationen sollten Betroffene sofort die Polizei verständigen.

Strafrahmen und Verteidigungsperspektive

Die einfache Körperverletzung wird nach § 223 StGB mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet. Bei schweren Folgen drohen deutlich höhere Strafen. Eine durch Notwehr (§ 32 StGB) gebotene Tat ist nicht rechtswidrig. Bei der Strafzumessung berücksichtigt das Gericht auch das Verhalten nach der Tat nach § 46 StGB.

Verteidiger prüfen Selbstverteidigungsrechte, Kausalität, alternative Ursachen für Verletzungen sowie Zeugenwidersprüche. Ein ernsthaft bemühter Täter-Opfer-Ausgleich oder eine Schadenswiedergutmachung (§ 46a StGB) kann die Strafe mildern. Je nach Tat und Verfahrenslage kann außerdem eine Einstellung gegen Auflagen nach § 153a StPO in Betracht kommen; sie setzt die gesetzlich vorgesehenen Zustimmungen voraus.

Zivilrechtliche Ansprüche: Schmerzensgeld & Co.

Verletzte können Schmerzensgeld, Heilbehandlungskosten, Verdienstausfall und Haushaltsführungsschaden verlangen. Wichtig sind Belege (Quittungen, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung).

Im Strafverfahren kann ein Adhäsionsantrag nach § 403 StPO gestellt werden. Alternativ bleibt der Weg über das Zivilgericht. Leistungen der Sozialen Entschädigung nach dem SGB XIV sind davon zu unterscheiden und müssen bei der zuständigen Versorgungsbehörde beantragt werden.

Anzeige wegen Körperverletzung: Ablauf, Frist und was danach passiert

Wer geschlagen, getreten oder anderweitig verletzt wurde, kann Anzeige wegen Körperverletzung erstatten. Nach § 158 StPO können Strafanzeige und Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft, der Polizei oder dem Amtsgericht angebracht werden. Die aufnehmende Stelle dokumentiert die Angaben; in vielen Bundesländern ist eine Anzeige außerdem über die Online-Wache möglich. Schildern Sie Ort, Zeit, Hergang, Zeugen und Verletzungen möglichst genau.

So läuft die Anzeige ab

  • Anzeige aufnehmen: Die Polizei protokolliert Ihre Angaben. Lesen Sie das Protokoll vor der Unterschrift sorgfältig durch.
  • Aktenzeichen notieren: Es erleichtert spätere Nachfragen bei Polizei und Staatsanwaltschaft.
  • Strafantrag mitstellen: Bei einfacher Körperverletzung sollten Sie den Strafantrag direkt mit erledigen (dazu unten mehr), um die Frist zu wahren.
  • Ermittlungen: Die Staatsanwaltschaft prüft den Anfangsverdacht, vernimmt Zeugen und wertet ärztliche Befunde aus.
  • Entscheidung: Am Ende steht Einstellung, Strafbefehl oder Anklage. Als verletzte Person werden Sie über den Ausgang informiert.

Frist im Blick behalten: Bei einfacher Körperverletzung nach § 223 StGB müssen Sie den Strafantrag innerhalb von drei Monaten ab Kenntnis von Tat und Täter stellen ( § 77b StGB). Die Tat selbst verjährt grundsätzlich nach fünf Jahren ( § 78 Abs. 3 Nr. 4 StGB) – die Strafantragsfrist läuft aber deutlich früher ab. Warten Sie deshalb nicht zu lange.

Anzeige ohne Beweise – geht das? Ja. Sie müssen Ihre Verletzung nicht selbst „beweisen“, um Anzeige zu erstatten. Aussage gegen Aussage genügt für die Aufnahme. Allerdings stellt die Staatsanwaltschaft das Verfahren häufig mangels Tatnachweis ein, wenn keinerlei Anhaltspunkte (ärztliches Attest, Zeugen, Fotos, Chatverläufe) vorliegen. Je besser dokumentiert, desto belastbarer das Verfahren – ein zeitnahes ärztliches Attest ist dabei ein besonders wichtiges Beweismittel.

Anzeige zurückziehen – ist das möglich? Eine einmal erstattete Strafanzeige können Sie nicht „zurücknehmen“; die Behörden müssen den Sachverhalt weiter prüfen. Zurücknehmen lässt sich aber der Strafantrag nach § 77d StGB – und bei Antragsdelikten wie der einfachen Körperverletzung kann das zur Einstellung führen, sofern die Staatsanwaltschaft kein besonderes öffentliches Interesse an der Verfolgung bejaht ( § 230 StGB). Bei einer gefährlichen Körperverletzung (§ 224 StGB) ändert eine Rücknahme dagegen nichts: Sie wird von Amts wegen verfolgt.

Ist Körperverletzung ein Antragsdelikt?

Das kommt auf die Schwere an. Die einfache Körperverletzung nach § 223 StGB ist ein (relatives) Antragsdelikt: Sie wird grundsätzlich nur verfolgt, wenn das Opfer einen Strafantrag stellt – es sei denn, die Staatsanwaltschaft bejaht ein besonderes öffentliches Interesse an der Strafverfolgung ( § 230 StGB). Auch die fahrlässige Körperverletzung (§ 229 StGB) ist ein Antragsdelikt.

Die gefährliche Körperverletzung (§ 224 StGB) – etwa mit einer Waffe, einem gefährlichen Werkzeug, hinterlistig, gemeinschaftlich oder lebensgefährdend – ist dagegen ein Offizialdelikt. Sie wird von Amts wegen verfolgt, sobald die Behörden davon erfahren; ein Strafantrag ist nicht nötig. Gleiches gilt für schwere Körperverletzung (§ 226 StGB) und Körperverletzung mit Todesfolge (§ 227 StGB).

DeliktEinordnungStrafantrag nötig?
Einfache KV (§ 223)AntragsdeliktJa – oder besonderes öffentliches Interesse (§ 230)
Fahrlässige KV (§ 229)AntragsdeliktJa – oder besonderes öffentliches Interesse (§ 230)
Gefährliche KV (§ 224)OffizialdeliktNein – von Amts wegen
Schwere KV / mit Todesfolge (§§ 226, 227)OffizialdeliktNein – von Amts wegen

Muster: Strafantrag wegen Körperverletzung

Ein Strafantrag kann schriftlich oder bei einer zuständigen Stelle zu Protokoll gestellt werden. Identität und Verfolgungswille müssen bei Antragsdelikten eindeutig sichergestellt sein ( § 158 StPO). Sie können ihn mit der Anzeige verbinden:

An die Staatsanwaltschaft / Polizei [Ort] Betreff: Strafanzeige und Strafantrag wegen Körperverletzung Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit erstatte ich Strafanzeige gegen [Name/Beschreibung des Täters] wegen einer Körperverletzung, die sich am [Datum] gegen [Uhrzeit] in [Ort] ereignet hat. Hergang: [kurze, sachliche Schilderung des Geschehens]. Zeugen: [Namen, Kontakt]. Beweise: [ärztliches Attest vom …, Fotos]. Ich stelle ausdrücklich Strafantrag und beantrage die strafrechtliche Verfolgung des Täters. [Ort, Datum, Unterschrift]

Allgemeine Information, keine Rechtsberatung. Das Muster ersetzt keine individuelle Prüfung Ihres Falls.

Schmerzensgeld und Adhäsionsverfahren (§ 403 StPO)

Bei einer rechtswidrigen und schuldhaften Verletzung kommen Schadensersatz nach § 823 BGB und Schmerzensgeld nach § 253 Abs. 2 BGB sowie Ersatz von Heilbehandlungskosten, Verdienstausfall und Haushaltsführungsschaden in Betracht. Diese Ansprüche müssen Sie aktiv geltend machen – sie werden nicht automatisch im Strafverfahren mitentschieden.

Mit dem Adhäsionsverfahren nach § 403 StPO können Sie Schmerzensgeld und Schadensersatz direkt im Strafprozess geltend machen, statt zusätzlich vor dem Zivilgericht zu prozessieren. Den Antrag stellen Sie schriftlich oder zu Protokoll der Geschäftsstelle, spätestens mündlich in der Hauptverhandlung bis zum Beginn der Schlussvorträge. Vorteile: ein Verfahren, eine Beweisaufnahme, keine doppelten Kosten.

Die Höhe des Schmerzensgeldes richtet sich nach Schwere und Dauer der Verletzung, Heilungsverlauf und Folgen. Eine feste Tabelle gibt es nicht; Gerichte orientieren sich an Schmerzensgeldtabellen vergleichbarer Fälle. Bei vorsätzlicher Körperverletzung können Verletzte sich zudem unter den Voraussetzungen des § 395 Abs. 1 Nr. 3 StPO als Nebenkläger dem Verfahren anschließen und dort eigene Verfahrensrechte wahrnehmen.

Tipp: Sammeln Sie von Anfang an Belege – Atteste, Rechnungen, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, Fotos der Verletzungen. Sie sind die Grundlage sowohl für die Strafverfolgung als auch für Ihr Schmerzensgeld.

Häufige Fragen

Welche Frist gilt für den Strafantrag?

Bei einfacher Körperverletzung drei Monate ab Kenntnis von Tat und Täter ( § 77b StGB). Versäumen Sie die Frist, darf bei reinen Antragsdelikten nicht mehr verfolgt werden – außer es besteht ein besonderes öffentliches Interesse.

Kann ich eine Anzeige wegen Körperverletzung zurückziehen?

Die Strafanzeige selbst nicht. Zurücknehmen können Sie aber den Strafantrag nach § 77d StGB. Bei einfacher Körperverletzung kann das zur Einstellung führen, bei gefährlicher Körperverletzung (§ 224 StGB) nicht, da diese von Amts wegen verfolgt wird.

Kann ich ohne Beweise Anzeige erstatten?

Ja. Für die Aufnahme genügt Ihre Schilderung. Ohne Beweise (Attest, Zeugen) wird das Verfahren aber oft mangels Tatnachweis eingestellt. Ein zeitnahes ärztliches Attest ist daher entscheidend.

Was kostet eine Anzeige?

Die Strafanzeige bei der Polizei ist kostenlos. Kosten können entstehen, wenn Sie sich anwaltlich vertreten lassen oder als Nebenkläger auftreten; bei schweren Taten kann ein Opferanwalt auf Staatskosten beigeordnet werden.

Unsicher, ob Ihr Fall eine einfache oder gefährliche Körperverletzung ist und welche Schritte jetzt zählen? SpecterAI's KI-Rechtsassistent ordnet Ihren Fall kostenlos ein und zeigt Ihnen den nächsten sinnvollen Schritt.

Amtliche Quellen

Ihre konkrete Situation

Frag Specter zu Ihrem Fall – kostenlos.

Kostenloses Konto erstellen · Keine Kreditkarte

Mehr Tiefe

Strafrecht Hub

Anzeige, Ermittlungsverfahren, Strafbefehl und Beschuldigtenrechte im Überblick.

Zum Strafrecht Hub
SpecterAI

Das können Sie fragen

Belegte Antwort mit § und Urteil – kostenlos

Bereit für die Zukunft der Rechtshilfe?

Starten Sie jetzt mit SpecterAI und erleben Sie, wie einfach und effizient juristische Arbeit sein kann. Kostenlos testen, keine Kreditkarte erforderlich.