Deltazins & Euribor: Vertragszins berechnen
Formeln, Beispiele und ein kleiner Rechner (MVP) für typische Vertragsklauseln.
Typische Fehler
Unklare Basissatz-Definition (Euribor-Laufzeit, Fixings).
Fehler bei periodischer Umstellung (fix vs. variabel).
Falsches Day-Count-Konventionsmodell (30/360, ACT/365, ACT/360).
Annuitätenrechnung ohne korrekte Periodisierung.
Nicht dokumentierte Referenzsätze und Anpassungsklauseln.
Deltazins & Euribor in Verträgen: Kurz erklärt
Euribor (Euro Interbank Offered Rate) ist ein täglich veröffentlichter Referenzzinssatz für unbesicherte Geldmarktgeschäfte zwischen Banken im Euroraum. Er wird vom European Money Markets Institute (EMMI) nach einer Hybrid-Methodik ermittelt und folgt den Euro-Geldmarktstandards: Spot-Settlement (T+2), TARGET2-Kalender, ACT/360 Day-Count und „modified following with month-end adjustment".
Quellen: EMMI: Benchmark Methodology · EMMI: Hybrid-Blueprint
Die gängigen Euribor-Laufzeiten sind 1W, 1M, 3M, 6M, 12M. Welcher Tenor gilt, muss in der Vertragsklausel eindeutig benannt sein (z. B. „3-Monats-Euribor, monatliches Fixing").
Was bedeutet „Deltazins" (Spread)?
Der Deltazins ist der vertragliche Auf- bzw. Abschlag (Spread) auf den Basissatz (z. B. Euribor). Typisch ist z. B. „Euribor 3M + 150 Basispunkte". Der Vertragszins ergibt sich dann als Vertragszins = Basissatz + Spread. Wichtig: Perioden (monatlich/vierteljährlich), Fixing-Zeitpunkte, Zinsbeginn und Day-Count müssen konsistent festgelegt werden.
So leiten Sie den Vertragszins her
- Basissatz bestimmen: Tenor (1W/1M/3M/6M/12M), Datenquelle und Fixing (z. B. „jeweils zwei Geschäftstage vor Zinsperiode") definieren.
- Spread anwenden: Deltazins addieren. Bei Floor/Cap-Klauseln (z. B. Euribor < 0 → 0) ist die Logik explizit festzuhalten.
- Day-Count & Konventionen: Für Euribor-basierte Zinsen üblicherweise ACT/360; bei klassischen Darlehen kommen auch 30/360-Varianten oder ACT/365 vor – vertraglich festlegen!
- Periodisierung/Annuität: Tilgung und Zinszahlung je Periode korrekt abbilden (Annuität, endfällige Tilgung, Sondertilgungsklauseln).
Rechenbeispiele
A) Variabler Zins – einfache Periodenzinsrechnung
Gegeben: Nominal 100.000 €, Euribor 3M = 3,20% p. a., Spread = 1,50% p. a., Periode = 90 Tage, Day-Count = ACT/360.
Schritte:
1) Vertragszins p. a. = 3,20% + 1,50% = 4,70%.
2) Periodenfaktor = 90/360 = 0,25.
3) Zinsbetrag = 100.000 € × 0,047 × 0,25 = 1.175 €.
B) Annuität (vereinfachtes Nominal-p. a. → monatlich)
Gegeben: Darlehen 250.000 €, nominal 4,70% p. a., Laufzeit 25 Jahre, monatliche Raten (i = 0,047/12).
Rate = K · [ i · (1 + i)^n ] / [ (1 + i)^n − 1 ]
mit K = 250.000, i = 0,047/12, n = 25·12. Ergebnis: ≈ 1.418 € pro Monat (ohne Nebenkosten/Effektivzinsanpassungen).
Day-Count-Konventionen im Überblick
- ACT/360: Geldmarktstandard, auch für Euribor-Zinsperioden. Zinsanteil = Tage/360.
- 30/360-Varianten (30A/360, 30E/360, 30E/360 ISDA, 30U/360): Bond-/Loan-Standard je Markt. Unterschiede bei Monatsenden & Februarregeln – vertraglich eindeutig festhalten.
- ACT/365 (Fixed): vor allem in GBP-Märkten verbreitet; im Euro-Darlehenskontext seltener, aber möglich – nur verwenden, wenn ausdrücklich so vereinbart.
Fallbacks, €STR & Dokumentation
Gute Verträge enthalten Fallback-Klauseln (z. B. bei Ausfall/Änderung des Referenzsatzes) und regeln Datenquellen, Rundungen und Anpassungen. Als Overnight-Referenz ist die vom EZB veröffentlichte€STR etabliert; für Euribor-basierte Verträge bleibt Euribor der maßgebliche Basissatz, Fallback-Logik sollte dennoch enthalten sein.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Finanzberatung. Prüfen Sie stets den exakten Vertragstext (Basissatz, Spread, Day-Count, Fixings, Fallbacks) und dokumentieren Sie die Quelle der Referenzsätze.
So hilft SpecterAI
SpecterAI führt Sie sicher durch Zinsklauseln mit Euribor & Spread – verständlich, prüfbar und mit klaren Ergebnissen.
- Basissatz & Fixing: Tenor (1W/1M/3M/6M/12M), Datenquelle und Fixing-Zeitpunkte konsistent festlegen
- Spread & Floors/Caps: Deltazins korrekt anwenden, Floor/Cap-Logik prüfen und dokumentieren
- Day-Count: ACT/360, 30/360 oder ACT/365 sauber anwenden – inkl. Periodenfaktor
- Periodisierung/Annuität: Zins- und Tilgungsanteile je Periode richtig berechnen
- Erstellt für Sie: Klausel-Checkliste, Berechnungsblatt (Annuität/Zins) und Nachweis der Basissatz-Quelle
Mini-Rechner (MVP)
Geben Sie Basiszins (Euribor), Spread und Zeitraum ein. Wir zeigen eine einfache Zinsdifferenz.
Dokumente
- Klausel-Checkliste Euribor/Spread
- Berechnungsblatt (Annuität/eff. Zins)
- Nachweis Basissatz-Quelle (Euribor)
Typische Fehler
Unklare Basissatz-Definition (Euribor-Laufzeit, Fixings).
Fehler bei periodischer Umstellung (fix vs. variabel).
Falsches Day-Count-Konventionsmodell (30/360, ACT/365, ACT/360).
Annuitätenrechnung ohne korrekte Periodisierung.
Nicht dokumentierte Referenzsätze und Anpassungsklauseln.
